Weshalb hat der Fraktionschef der CSV in einem Artikel des LW zum Schlag gegen die Trambahn ausgeholt? Die Antwort ist einfach: die Tram ist einerseits ein wichtiger Baustein des nationalen Mobilitätskonzeptes „Modu“, anderseits aber durch ein komplexes Verhältnis in dieses Konzept eingebettet, so dass es viel Zeit in Anspruch nimmt, um die feinen Zusammenhänge dieser neuen Mobilitätsstrategie zu erklären. Gerade deshalb ist es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für Populisten einfacher, solche komplizierten Investitionsvorhaben in Frage zu stellen als andere Elemente der staatlichen Ausgabenseite. Mit einer Infragestellung der Tram verliert man als Populist keine Wahl, mit der Streichung von laufenden staatlichen Ausgaben wie etwa die Kilometerpauschale oder die „Mammerent“ aber schon. Und überhaupt: Was kümmert es einen Wahlkämpfer vom Schlage eines Herrn Spautz, dass das Streichen von wichtigen Zukunftsinvestitionen später zu erheblichen Nachteilen für den Wirtschaftsstandort Luxemburg führt? Hauptsache man hat sich wieder bis zur nächsten Wahl durchgemogelt…
Weshalb sind gerade in der Mobilitätsfrage ein Umdenken und ein Investitionsschub so bedeutend:
- Energieeffizienz wird zum bedeutendsten Produktivitätsfaktor der kommenden Jahrzehnte. Unser heutiges Mobilitätsverhalten ist aber total energieineffizient. Wir verzeichnen einen der höchsten Spritverbräuche der Welt. Unser eindimensionales Mobilitätsverhalten muss überdacht werden und durch ein multimodales ersetzt werden. Rückgrat dieser neuen Strategie bildet der schienengebundene Verkehr mit Zug für die großen Kapazitäten über längere Strecken und Tram für die Feinverteilung in den Ballungsgebieten.
- Wir haben ein doppeltes Abgaseproblem: einerseits durch hohe klimaschädliche Co2-Abgase und andererseits durch erheblich gesundheitsschädliche Stickoxyde Nox. Hier spielt der motorisierte Verkehr eine maßgebliche Rolle, und zu Recht zwingt uns bis 2015 eine EU-Direktive zum Handeln (die Grenzwerte werden massiv überschritten).
- Die Lebensqualität in unseren Dörfern und Städten hat in den vergangenen 30 Jahren enorm unter der autogerechten Entwicklung gelitten. Stadt-und Dorfverschandlung, Lärmentwicklung, sowie völlige Verstopfung der Straßen durch Blechlawinen sind das Resultat dieser falschen Entwicklung. Ohne Veränderung wird das Leben in den Städten und Dörfern zum Erliegen kommen. Aus diesem Grund befinden sich weltweit viele Ortschaften bis hin zu Metropolen in einem Prozess des Umdenkens und setzen neue Mobilitätskonzepte um. Gerade auch im schnell wachsenden Luxemburg muss in dieser Frage dringend umgedacht werden.
- Die wirtschaftlichen und sozialen Kosten eines übertriebenen motorisierten Individualverkehrs sind sehr hoch. Straßenunfälle, kolossale Unterhaltskosten, die in keinem Verhältnis zu den steuerlichen Einnahmen stehen, horrender Landverbrauch, all dies wird sich ohne Verkehrswende weiter zuspitzen.
- Der weiter zunehmende Individualverkehr führt geradewegs in die Immobilität. Für Menschen aus dem Grenzgebiet wird es immer schwieriger und uninteressanter, den mühseligen und kostspieligen Weg zur Arbeit nach Luxemburg auf sich zunehmen. Die Immobilität riskiert, erhebliche Nachteile für große Teile der Luxemburger Wirtschaft zu verursachen.
Der Nachhaltigkeitsminister hat einen beeindruckenden Berg an Zahlenmaterial für sein „Modu“-Konzept zusammengetragen, um es argumentativ stichhaltig verteidigen zu können. Wer seinen überzeugenden und engagierten Vortrag anlässlich der öffentlichen Vorstellung des „Modu“-Konzeptes miterlebt hat, dem wurde klar, dass falls wir diese Investitionen nicht tätigen, ernsthafte Probleme auf uns zu kommen. Das „Modu“-Konzept ist auf ein gutes Zusammenspiel von Bahn, Tram, Bus, Fahrrad, zu Fuß und Auto aufgebaut. Es ist ein riesiges zusammenhängendes verkehrspolitisches Puzzle, in welchem jedes fehlende Element zum Mobilitätshemmnis wird.
Über 30 Jahre wurde in Luxemburg versucht, die Mobilitätsprobleme eindimensional zu lösen. Das Konzept „Modu“ ist der erste Versuch, sich aus dieser Eindimensionalität zu lösen. Es ist neben den Investitionen in Forschung, Bildung, Weiterbildung, Wohnungsbau und Energiewende eines der wichtigsten Projekte für die Zukunft dieses Landes. Kein verantwortlicher Politiker, keine verantwortliche Politikerin darf zulassen, dass es auf dem Altar primitiver kurzfristiger Politiküberlebenskünstler geopfert wird!
Léif Lieserinnen & Lieser, ob dësem Blog wëll ech a regelméissegen Ofstänn déi politesch a gesellschaftlech Aktualitéit kommentéieren. De Web 2.0 erméiglecht eng dezentraliséiert an oppe Kommunikatioun, wou sech Bierger a Politiker op enger Aenhéischt géigeniwwerstinn, a sech direkt an onverfälscht austausche kënnen. Ech hoffen, datt ech mat mengem Blog e klenge Bäitrag zur politescher Kultur an der lëtzebuerger Internetsphäre leeschte kann. Ech wënsche vill Spaass bei Liesen a Kommentéieren!